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Job Reports | Alexander Gugler | 05.04.2017 | 6 min.

Kelly Ges.m.b.H | Wolfgang Hötschl | CEO

Seit mehr als 20 Jahren leiten Sie die Geschicke von Kelly. Was hat sich in dieser Zeit alles verändert?

Verändert… hat sich alles. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die Landwirtschaft, die gesetzlichen Regelungen und Dokumentationspflichten, die Logistikbedingungen und die Mobilität, genauso wie die Handelsstruktur. 1993 haben wir 93% des Umsatzes mit 17 Kunden gemacht, heute machen wir 95% des Umsatzes mit drei Kunden, die Marktmacht ist enorm. Und natürlich die Kommunikationstechnologie – ich habe mir damals meinen ersten PC gekauft. Damit haben sich auch die Anforderungen an unsere MitarbeiterInnen geändert.

Wie sind Sie mit diesen Veränderungen umgegangen?

Wir haben die Veränderungsprozesse stets aktiv betrieben, uns nicht verändern lassen, sondern versucht zu erkennen, welche Notwendigkeiten bestehen um zeitgerecht unser Unternehmen und auch uns selbst zu verändern. Es war uns wichtig, nie in die Defensive zu kommen.

Sie haben Ihr Doktoratsstudium erfolgreich an der heutigen WU abgeschlossen, welche Vision hatten Sie während dieser Zeit – in welchen Bereich wollten Sie?

Ich fand weniger eine Branche oder hierarchische Funktion – oder was man üblicherweise als Karriere definiert – interessant. Vielmehr haben mich die Psychologie der Wirtschaft und das Arbeiten mit Menschen interessiert. Ich habe auch eine Zeit lang Medizin studiert, mich dann aber für die Wirtschaft entschieden, denn alles gleichzeitig, das geht auch nicht. Und eine Hetz wollten wir auch noch haben, um das mal locker zu sagen.

Was mich brennend interessiert hat? Herauszufinden, wie Menschen ticken, wie Bezugsrahmen entstehen. Das Thema ist deshalb so interessant, da wir Menschen als Teil der Natur Naturgesetzen unterliegen und durch zwei Dinge gesteuert werden. Zum einen durch genetische Voraussetzungen, zum anderen aber durch all die Dinge, die wir im Laufe unseres Lebens lernen, die Erlebnisse, die uns leiten, formen und weiterbringen. Früher hätten wir dazu „Erfahrungsschatz“ gesagt, heute trifft es der Begriff „Memories“ vielleicht besser. Unser Unterbewusstes hat eine so wichtige Funktion, die sich in allen Lebensbereichen ausdrückt, das bei der Mitarbeiterführung genauso relevant ist wie bei dem Versuch, unsere KonsumentInnen zu verstehen.

Ich habe mir bei meiner Berufsentscheidung also nicht die Frage gestellt, ob Bankensektor, Markenartikel- oder Kreativbereich – ich wollte aber immer mit Menschen arbeiten, ein Teamleader sein. Ich würde euch raten, euch nicht auf so eine Formalsache wie eine hierarchische Position zu beschränken, macht den Job, der euch Spaß macht, und die Verantwortung kommt ganz von alleine.

Was ist Ihre persönliche Erfolgsstory bei Kelly, wo haben Sie hier Ihre Spuren hinterlassen?

Ich kann heute sagen, dass ich mehr übergeben kann, als ich übernommen habe. Und das nachhaltig abgesichert. Es hat während meiner Zeit bei Kelly kein einziges Jahr gegeben, in dem wir Verluste geschrieben haben, wir sind stetig und konstant gewachsen. Und wir haben unseren MitarbeiterInnen einen Arbeitsplatz geschaffen, an dem sie gerne bleiben den sie wertschätzen – sonst würden sie nicht 13 Jahre im Schnitt bei uns im Unternehmen bleiben. Das muss einen Grund haben, und der ist nicht Starrheit, Immobilität oder nicht vorhandene Flexibilität.

Unser Unternehmen ist zukunftsorientiert aufgestellt und unsere MitarbeiterInnen zufrieden, ein besseres Ergebnis könnte ich mir nicht wünschen.

Umgekehrte Frage – was war Ihre größte Herausforderung und was haben Sie daraus gelernt?

Herausforderungen gab es en masse. Es ist unglaublich wichtig, stets den eigenen Blickwinkel zu überprüfen, kritisch zu sein, auch zu sich selbst. Und auch selbst aktiv mitzumachen, in den Supermarkt zu schauen und zu beobachten, wie Kaufentscheidungen am Regal passieren. Unseren Freunden und Verwandten bringe ich stets Kelly-Produkte mit, um zu sehen wie sie reagieren und wie die Produkte ankommen. Beobachtung ist in unserem Business besonders wichtig. Bei der Anzahl an Menschen, die mir schon erzählt haben, dass sie keine „Chipsesser“ seien frage ich mich, wer dann 8500 to Chips pro Jahr isst. 😉

Pro Jahr hatten wir jedenfalls mindestens zwei oder drei große Herausforderungen, die uns schlaflose Nächte bereitet haben. Irgendwann muss man sich dann aber einfach entscheiden, ganz nach dem Motto „Das machen wir jetzt so. No way out.“ Gebt den besten MitarbeiterInnen die spannendsten und herausforderndsten Aufgaben und schneidet ihnen den Rückweg ab – so passiert Weiterentwicklung.

Außerdem muss man als Führungskraft die Bereitschaft haben, mit der Mannschaft mitzugehen, vorne dabei zu sein. Wenn du nicht auf den Zug aufspringst stehst du alleine am Bahnhof, und dann hast du ein Problem.

Sie haben vorher davon gesprochen, wie wichtig es ist, aktiv Entscheidungen zu treffen. Wonach treffen Sie Ihre Entscheidungen, Kopf oder Bauch? 

Beides. Man muss sich die Fähigkeit bewahren, in jeder Entscheidungsphase auf Veränderungen einzugehen. Ich ziehe permanent Feedbackschleifen mit ein, den Input unserer MitarbeiterInnen nehmen wir sehr ernst. Es ist nicht erst einmal passiert, dass wir Konzepte wieder komplett verworfen und innerhalb weniger Tage neue verfasst haben. Besonders wichtig ist es, immer ein offenes Ohr zu haben, den Drive aber nicht zu verlieren.  Manchmal auch zu sagen „Ich habe deinen Einwand gehört, gehen wir trotzdem weiter“. Die Weisheit des nächsten Tages, die hätte jeder gerne.

Welche Fähigkeiten finden Sie bei Führungspersönlichkeiten am wichtigsten? 

Die richtigen Fragen zu stellen und die Neugier zu haben zu lernen. Was bei uns entscheidend ist ist, dass alle, die zu uns ins Unternehmen kommen, den Kelly-Kodex leben und mittragen (nicht nur akzeptieren). Wir suchen proaktive ManagerInnen, denn die meisten Unternehmen sterben nicht, weil sie keine Ideen haben, sondern weil sie sie nicht realisieren. They don’t do. Doch ein Ergebnis erreicht man erst, wenn man in’s Tun kommt. Und damit alle am selben Strang ziehen haben wir unseren Kelly-Kodex erstellt.

Von den Führungskräften von heute zu den Führungskräften von morgen: Kelly nimmt dieses Jahr zum ersten Mal an der win² teil. Was möchten Sie mit Ihrem Workshop auf der win² Zukunftskonferenz erreichen? 

Wir haben uns für ein HR-Thema entschieden. Mich interessiert, wie sich junge Leute, die Potential haben, ihre Zukunft vorstellen. Wir reden alle von Teamwork und gleichzeitig von Homeoffice, unsere jungen MitarbeiterInnen bringen eine technologische Revolution mit – wie sehen sie die Anforderungen an die Arbeitsplatzzukunft? Wie gehen junge Menschen mit der Digitalisierung um, mit dem Druck, ständig und überall erreichbar zu sein? Und das hat nichts mit Kommunikationsinseln zu tun.

Die heutige Revolution ist eine andere, als die mit der ich aufgewachsen bin. Wir haben damals protestiert, uns die Jeans angemalt, Stones und Beach Boys gehört; unsere Eltern haben bei Betrachtung unserer langen Haare die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. „Aus dir wird nie etwas“ – und trotzdem hat’s geklappt. Und in 5 Jahren wird auch was werden. Die Frage ist nur was, und wie wir auf diese Veränderung reagieren.

Zum Schluss: welchen Tipp möchten Sie jungen Menschen mit auf den Weg mitgeben? 

Versuche herauszufinden, was dich fasziniert, was deine Ambitionen sind, welche Aufgabengebiete dir liegen, welche deine Stärken sind, auf die du dich verlassen kannst. Nicht nur kurzfristig denken, sondern wissen, wo deine Basics liegen. Versuche, das für dich herunterzubrechen.

Denn eines habe ich gelernt: Man kann niemanden motivieren. Ich kann vielleicht die Voraussetzungen schaffen, damit die Menschen motiviert sind. Aber die wirkliche Motivation muss von innen kommen. Da hilft auch Geld nicht, damit kann man die MitarbeiterInnen vielleicht abhängig machen.

Deshalb: Überleg dir, was dich antreibt und was deine persönlichen Stärken sind. Und um das herauszufinden, frag einfach mal nach. Habt den Mut, in Gruppenarbeiten, in euren Jobs, im privaten Bereich nachzufragen, welche Fähigkeiten andere an euch schätzen. Wenn ihr dann wisst, worin ihr gut seid, werdet ihr damit auch erfolgreich sein.

 



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